23.08.15

Den Bogen spannen: The Camber dress

Als ich 1993 mit meinem Architekturstudium begann, war ich schnell zu einer Anhängerin japanischer Architektur geworden. Tadao Ando war damals DER Insidertipp. Nicht umsonst. Seine Ibaraki Kasugaoka Kirche lässt einem niederknien und sprachlos werden. Unabhängig der Konfession. Mein persönlicher Lieblingsbau ist aber diese Kirche: Die Glasfront lässt den Blick frei auf des Schöpfers Werk. Church on the Water, Tomamu, Hokkaidō

Dass nicht nur ich davon begeistert bin, zeigt diese Kirche in Österreich.

Vom japanischen Sichtbeton ist es bei zumindest grundlegend vorhandenem Interesse nur ein kleiner Schritt zur japanischen Holzbautradition. Auch Ando war eigentlich gelernter Zimmermann. Und ganz in der japanischen Handwerkstradition ist der Weg vom Lehrling zum Meister ein langer und vor allem durch unzählige Wiederholungen geprägter. Jedes Werkzeug wird geehrt. Jeder Handgriff hat Sinn. Seine Hände so weit zu schulen, dass sie mit dem Werkzeug die richtigen Bewegungen machen, gleicht dem Weg zum Meistermusiker.
Keine Rede von "mal so ausprobieren...".
Wer so einen Zugang zu Details hat, der braucht keine schreienden Materialien. Eine japanische Holzverbindung ist außen nur eine kleine unauffällige Linie. Aber innen voller Überlegungen und vollendeter Handwerkskunst.
Soweit ich weiß, verhält es sich genau so mit Ikebana - dem Blumenstecken, der Teezeremonie oder Haiku - diesen minimalistischen Reimen, die in ihrer Vollendung so kurz sind, dass nichts mehr weg zu lassen ist.

Dieser Zugang zu Design ist für mich - mit einigen Irrwegen und Nebenfahrbahnen -  bis heute aktuell geblieben: Es geht immer um Materialien. Die besten, wenn irgendwie möglich. Respekt dem Material gegenüber heißt auch sorgfältige Wahl bei Mustern und Farbe. Wer sich der Herstellung eines Objekts mit dieser Haltung nähert, weiß, dass es sich hier nicht um eine Eintagsfliege handelt. Im besten Fall wird das Objekt sogar vererbt.
Nach der sorgfältigen Vorbereitung werden die einzelnen Schritten abgearbeitet. Mit Muse. Mit Pausen.
Wer derart handwerklich arbeitet, kommt bald zu dem Punkt wo wohldurchdachte Details geschätzt werden.

Und nun bin ich dort wo ich hin will.
Beim Camber dress.
Von Merchant & Mills.

Die beiden Briten habe ich voriges Jahr entdeckt und wer hier schon länger mitliest, hat vielleicht auch mit bekommen, dass ich ein paar ihrer herrlichen Nähaccessoires im Shop verkauft habe.
Mittlerweile ist Merchant & Mills gar nicht mehr soooo der Geheimtipp und auch die Österreicher können dank Alex vom Stoffsalon britisches Edelnähzubehör kaufen. Und nicht nur das.
Auch die herrlichen Stoffe und die wunderbaren Schnitte.

Und das Camber dress ist so ein Schnitt.
Mittlerweile habe ich Kleid Nr. 3 fertig genäht.

Kleid Nr. 1 habe ich beim letzten Nähwochenende der guten Alex quasi vom Leib ab nachgenäht.
Sogar in einem M&M-Stoff. Hab noch mal vielen vielen Dank liebste Alex!!!

Kleid Nr. 2 habe ich dann gleich zu Hause genäht. Ein verunglückter Versuch eines eigenen Designs dümpelte am Boden der Nähtruhe vor sich hin. Der Stoff (auch von Alex) war viel zu gut um das Kleid einfach so ins Jenseits zu befördern. Aber der Schnitt war mies.... Camber war die Rettung.
Und ich eine gut gekleidete Mutter bei der Erstkommunion meiner älteren Tochter.


Und irgendwann habe ich einen sehr schönen Streifenjersey, eigentlich Sweatshirtstoff von Thesweetmercerie bekommen. Er war zu fest für ein normales T-Shirt, aber was tun damit???

Die Wartezeit hat sich ausgezahlt. Irgendwann finden die Dinge zueinander. Man muss ihnen nur die Zeit dazu geben.
Keine Angst. Ich bin nicht erleuchtet. Ich denke so was wirklich. Eigentlich. Ich habe nur im ganz normalen Alltag selten die Geduld dafür. Oder ich bin so hektisch und laut unterwegs, dass diese leise Stimme ganz hinten null Chance hat mir diese Weisheiten zu flüstern.
Und dann gibt es eben die Momente, wo ich eigentlich im Nachhinein feststellen muss, dass alle Zutaten gut sind, alle Schritte in der richtigen Chronologie gemacht wurden - und äußere Umstände mich irgendwie davon abgehalten haben, alles durch Hast und Übermut zu verderben.

Und das Ergebnis ist eben jetzt noch ein Camber.
Kleid Nr. 3.
In genau diesem Streifensweat.

Was soll ich sagen?
Perfekt.

Das einzige was ich die von M&M mal gerne fragen wollen würde, wäre: WARUM Camber?
Camber heißt soviel wie leichte Wölbung nach oben...hä???

04.08.15

Frau Wally räumt auf...


Ihr kennt das: one´s trash, another one´s treasure!
Nur dass die Sachen hier alles andere als Trash sind, aber ich kann es drehen wie ich will, die Kinder wachsen...

Saltwater Sandalen Gr. 31 hier
Nike Turnschuhe Gr. 35 hier
Allerhand Kinderrucksack hier
Kik Kid Jersey Sonnenhut 4-8 J hier

und rote Waldviertler Geh Gutigut Gr. 32 hier


viel Spaß!

01.08.15

Kurz und gut


Ich habe meine (in meinen Augen noch nicht soooo) langen Haare abgeschnitten.
Ein Schritt, den ich nicht das erste Mal vollzogen habe.
Aber.
Ich bin gut im Verdrängen.
Offenbar habe ich gut verdrängt, wie sehr ich meine Umgebung damit konfrontiere.
Für mich hat sich der Schritt äh Schnitt ja schon länger in meinen Gehirnwindungen angebahnt.
Der Mann an meiner Seite ist schockiert.
Mittlerweile kann er wieder flach atmen.
Aber schon vorher nicht der Typ, der einen in Komplimenten badet, kann ich wohl jetzt länger warten, bis ihm mal ein "...äh sieht nicht schlecht aus..." entkommt.
Emanzipiert und aufgeschlossen und wasweißichalles, was ich nicht bin.
Hätte ich nicht gedacht, wie mir das zu schaffen macht.
Dabei ist es nicht das erste Mal, dass ich in unserer gemeinsamen Zeit Haare lasse.
Aber s.o.
Gut im Vedrängen.
Von gefühlt ALLEN anderen WEIBLICHEN Menschen in meiner Umgebung habe ich AUSSCHLIESSLICH Komplimente bekommen.
(Meine ältere Tochter ausgenommen. Aber die frönt dem gerade bei Volksschülerinnen aktuellen Superlanghaartrend).

Ich hätte nicht gedacht, dass ein Haarschnitt doch so etwas archaisches ist, dass so massive Reaktionen hervorruft.

Ich persönlich bin überglücklich.
Es fühlt sich herrlich leicht und unbeschwert an.
Genau das, was ich momentan brauche.

I cut my (not soooo) long hair.
I have done this before.
But obviously I am good at suppressing.
I can´t remember so big reactions within my crowd.
Husband was shocked.
Midwhile he is able to breath again.
But short on compliments in general, it will take a very long time to hear again something like: "...ahem, does not look so bad...".
I have seen myself as open minded, feminism sided modern woman.
And was not prepared how hard this is to swallow.
And this was not the first time I went from long to short.
So it must have something to do with suppressing.

But EVERY OTHER women I met feeled forced to stop and gave me the warmest congratulations.
(Excluded my older daughter, who is part of the widespread super long hair trend among around 10yearolds)

I am surprised by all these strong reactions. Obviousley hair is still very archaic and if you touch something archaic, people always react very strong.

I love my now short hair.
It feels airy and light.
Exactly what I need right now.

30.07.15

Yasumi Maxidress Tag4


Hallo Mitnäherinnen! Wie gehts euch? 
Heute wollen wir das Kleidchen fertig machen.
Wer - wie ich - eine kleine Schwäche für kleine Details hat, könnte ein winziges Stück Borte hinten auf dem Ruderrückenspitz anstecken:


Dann kommen die Träger. Dazu das Trägerband in zwei gleich große Hälften schneiden und mal am VT anstecken. Kleid probieren und hinten die Länge justieren - hier sind hilfreiche Hände Gold wert ;-))
Wenns passt dann die Träger hinten auf den Spitz (ev. auf das Stück Borte) stecken. Ich habe sie übereinander gesteckt, weil ich den "Stapeleffekt" mag. Man kann sie aber auch nebeneinander stecken.

Wichtig: die Stecknadeln wirklich wie am Bild stecken - also mit dem Kopf nach INNEN zum Kleidungsstück hin und mit der SPITZE zum RAND - und nicht zu knapp zum Rand. So könnt ihr mit der Ovi drübernähen!
 Wenn alles passt, dann das Bustierteil re/re drauf stecken, so dass die Träger wie im Sandwich zwischengefasst werden. Drauf achten, dass die SN aufeinander treffen und natürlich die Stellen, wo die Träger mit gefasst werden.
Und jetzt mit der Ovi schön rundherum. Ich habe zuerst die Ausschnittkanten genäht. Und zum Schluss dann die Stellen wo die Träger  mit gefasst werden in einem extra Arbeitsschritt.

Bustierteil ins Kleid hineinstülpen und alles nochmals schön bügeln....und FERTIG!!!!

Na, wer hat mitgemacht?
Ich würde mich sooo freuen über Bilder eurer Yasumis!!!!
Alles Liebe und noch weiterhin schöne Ferientage!

29.07.15

Yasumi-Maxidress Tag 3

So... meine Lieben, heute gehts ran an die Maschinen!
Ovi geschmiert, eingefädelt, probegenäht?
Fein!

Dann schnappt Euch mal die Bustierteile:
RT mit re Stoffseite nach oben auflegen, darauf kommt das VT mit linker Stoffseite nach oben - also die re Stoffseiten liegen innen.
SN zusammen stecken und zusammen nähen.


Dann kommt das Unterbrustband dran - zum Schlauch schließen...


... und anschließend der Länge nach zur Hälfte bügeln. Also wie bei einem Hosen- ode Rockbund.


Nun beim Bustier VM und RM markieren und beim Unterbrustband Viertelpunkte markieren und dann alle aufeinander stecken:

Das Unterbrustband ist enger als das Bustierteil - deshalb beim Annähen, das Band etwas dehnen. Ganz wie bei einer Hose oder Rock mit Dehnbundverarbeitung. Bügel und gut isses.


Das Band für die Träger längs zur Hälfte falten - re Stoffseite innen und mit der Ovi abnähen:


Dann umdrehen. Ich mache das gerne so, dass ich in einer Nadel mit großem Ör das Ovischwanzerl einfädle und die Nadel dann in den Schlauch zurückfädle - vorsichtig und Stückchen für Stückchen...
Wenn alles durch ist, bügeln.


Nun beim Kleid die SN schließen, dafür wieder das RT mit der re Stoffseite nach oben flach auflegen, das VT drauf. Da werdet ihr nun sehen, dass eben die verdrehten Nähe auseinanderklaffen.
Zuerst NUR das oberste kleine Stück SN stecken. Und dann arbeitet ihr euch Stück für Stück die SN hinunter...


... aber ACHTUNG: bei der VON OBEN BETRACHTET RECHTEN SN im unteren Drittel den Schlitz OFFEN LASSEN


Die andere SN am besten so zusammenstecken, dass ihr das ganze Kleid umdreht und wieder flach auflegt. Bügeln und morgen setzen wir Kleid und Bustier zusammen!
Viel Spaß!

28.07.15

Yasumi maxidress Tag2


So gestern haben wir den Schnitt zusammen gefuddelt (hab ich schon gesagt, dass ich es HASSE Schnitte auszudrucken, auszuschneiden und zusammen zu kleben? Und ich finde es auch nicht super, wenn ich höre, dass es Ehemänner gibt, die so etwas für einen machen.... es sei denn, jemand bringt meinen dazu, gleiches zu tun...) Nun gut, es ist vollbracht, ran an den Stoff:


Ich habe eher dünneren Jersey genommen. Strudelig? Sehr gut, wer nicht dann bei der Ovi die Nerven wegschmeisst ;-)) Zu dicke Jerseys empfehle ich nicht, weil die dann nicht so schön fallen. Und da es ja ein Maxikleid ist, "fällt" da ja schon ziemlich viel...

Wenn ihr eine in alle Richtungen gut dehnbaren Stoff habt, ist es völlig egal WIE ihr den Schnitt auflegt. Wenn ihr merkt, dass die Querrichtung deutlich dehnbarer ist, als die Längsrichtung, dann bitte, legt den Schnitt so auf, dass die Bustierlinie QUER zum Fadenlauf liegt.
Wie ihr seht, habe ich mangels zwei Schnittteilen eben zu erst den einen ausgeschnitten. Und aus dem Rest den anderen. Ich habe auch nix angesteckt oder angezeichnet sondern frei Auge schnippedischnapp rundherum ausgeschnitten und gut isses.


Dann RT - eh schon wissen - jetzt das weggeklappte Spitzerl rausklappen!
AUFGEPASST! NICHT SPIEGELN, umdrehen oder sonstwas.... wenn das RT ausgeschnitten wird, einfach nur das Spitzerl rausklappen, sonst nix!!!! Ihr müsst auch hier die Zahlen lesen können. Sonst wird des nämlich nix mit den Diagonalnähten ;-)))


Dann aus den Stoffresten noch die Bustierteile rausschneiden. Auch hier seht ihr, ganz im Urlaubsmodus: nix stecken, anzeichnen oder so. Cut & go.

Und dann brauch ma noch:

Einen Streifen 50 x 4 cm für die Träger. Bei recht dehnbaren Stoffen empfiehlt es sich den nicht QUER zum Maschenlauf, sondern LÄNGS zuzuschneiden. Die meisten Strickstoffe sind in diese Richtung deutlich weniger dehnbar.

Einen Streifen ca. 8 cm hoch und die Länge entsprechend eurer Unterbrustweite. Also Streifen lang genug zuschneiden. Länge zur Hälfte klappen, dehnen, entsprechend markieren, abschneiden. Gut isses.
Ihr seht hier die zwei Kleidteile aufeinander liegen und die Bustierteile aufeinander und zur Hälfte gefaltet liegen.

Wer das geschafft hat, hat genug für heute geleistet.
Morgen wünschen wir uns kühles Wetter für die Ovi-Session!