BOM 2014: Happy Birthday

Montag, 7. April 2014


Wenn das online geht, ist mein Geburtstag.
Ich werde 42 Jahre alt.
Ein gutes Alter für eine Frau.

Definitiv kein Mädchen mehr.
Aber noch genug Energie um ein neues Leben anzufangen, einem alten eine Wende zu geben oder gar nichts von all dem.
Man äh Frau hat auf dem Lebensweg vielleicht schon mal den einen oder anderen Blick auf den Horizont erhaschen dürfen. Oder müssen.
Eins ist klar.
Es geht nicht ewig.
Bewusstwerdung.
Nicht schlecht.
Kann auch entspannend sein.
Nicht absolut jeder Weg muss begangen werden.
Die Welt dreht sich ziemlich sicher auch ohne mich weiter und ich mich auch ohne von allem und jedem probiert zu haben.

Wie schon mitbekommen, ist es hier ruhig.
Das heißt jetzt nicht, dass meine Kinder jetzt Jausenbrote in Bärchenform haben.
Auch mein Kleiderschrank ist nicht zum Bersten voll.
Nicht einmal das Landhaus erstrahlt in neuem Glanz.
Um ganz ehrlich zu sein, verspürte ich die letzten Monate eher eine bleierne Müdigkeit.
Die ist auch noch nicht vorbei.
Ein bisschen so wie bei ganz viel Stress man im ersehnten Urlaub dann grippal im Bett liegt.
Weil wenn die Tür mal aufgestoßen zum Loslassen, kann sein, dass dahinter ein Tsunami wartete.
Da kann man dann eh nix machen.
Möglichst bambusgleich ganz beweglich so gut es geht die Welle surfen.
Oder sich überrumpeln lassen.
Irgendwann hören auch Tsunamis auf.

BOM 2014.
Hört das jetzt auf?
Ja.
Wer fleissig mitgelesen hat, hat ja mitbekommen, dass ich eh relativ bald über den Stein der Erkenntnis gestolpert bin und seither mich und das Ganze Übermom-Ding hier gewaltig in Frage stelle.
Nein, 2014 wird hier niemand von mir einen Tipp bekommen, wie man aus 24 Stunden 48 macht.
Außer vielleicht den, den ich schon mal gebracht habe, nämlich sich einfach nicht soviel vorzunehmen.
Leider sehr unsexy.
Unsexy finde ich auch Best organized mom.
Nein, ich will nicht mehr best organized sein.

Mein großes Kind hat ein besseres Verhältnis zu Linien und Buchstaben als zu Zahlen.
Das führte dazu, dass es einen Test in einem Recheninstitut gemacht hat. Um zu sehen ob und in welchem Grad Dyskalkulie vorliegt.
Die Testung war umstritten.
Ich wollte sie, weil ich dachte, man könne eventuell nachher besser helfen.
Jetzt sehe ich das anders.
Das Institut liegt in einem sehr schönen Bezirk, in einem bezauberndem typischen Wiener Altbauhaus. Eines von jener Sorte, weswegen Scharen von Touristen Wien besuchen. Allein der Holzlift war der Termin wert. 
Ich denke für das Kind war es schmerzlos.
Der Fragebogen, den ich ausfüllen durfte, gab mir zu denken.
Leicht panisch ließen mich aber die anderen Kinder werden. Eigentlich aber die Mütter.
Kinder, die so ein Institut besuchen, sind offenbar späte Volksschul-, frühe Gymnasialkinder. Mir begegneten ca. 5 Kinder in den 90 Minuten.
Plus 5 Mütter.
Davon zwei offenbar magersüchtig.
Das kann jetzt ein Zufall sein.
Aber ich glaube nicht an Zufälle.
Dafür bin ich zu alt ;-))

Nein.
Ich glaube vielmehr, dass ein Recheninstitut eine Kindergleichmachmaschine für Erfolgseltern ist.
Noch anzumerken wäre hier, dass das Ganze ein recht kostspieliger Spaß ist.
Also noch ein Indiz für die Erfolgseltern.
Und wo so viel Erfolg ist, ist klar, dass hier auch keiner fett ist.
Schon Coco Chanel sagte ja, man kann nie zu dünn sein.
Und die war ja wohl wirklich ordentlich erfolgreich.

Geprägt von so viel Mangel und Kontrolle und Disziplin, hatte ich das ganz große Bedürfnis nach ....

tadahhh

Osterpinzenmuffins.

Für die neuen Bürokollegen.
Weil ja Montagsbesprechung an meinem Geburtstag.

Und eine Pinzenorgie geht natürlich nicht so gut einher mit SkinnyJeans in Kindergröße, deshalb ein Kleid, nachdem ich mich schon lange sehne, ich hatte den Begriff schon mal verwendet, ein Kleid wie ein Freund: Dachi, japanisch für Freund.

Die üblichen Wickelkleider waren mir zu hm... brav.
Ich wollte es ein bisschen cooler.
Hab ich jetzt.
Keine Abnäher.
Überlange Ärmel.
Und kilometerlange Bindebänder, die dann 27tausendmal herumgeschlungen werden müssen, machen Dachi zu einem Kleid, das immer passt.

Vor- und nach der Pinzenorgie.

Vor- und nach der Lebenskrise oder Lebenswandlung.

Am Spielplatz und am Elternsprechtag.

In der Bar und im Büro.

Und wer scheu ist, muss ja nicht unbedingt in schreienstem Zitronengelb daherkommen.
Der Ehemann hat einen Gehörschaden davon.
Er hat mein Mitgefühl, ich erspar ihm das Kleid bei einem gemeinsamen Abend, aber wenn ich solo unterwegs bin, brauch ich es momentan.
Wie einen Freund.

Einen Schnitt für Euch Alle wird es geben.
Vielleicht bald.
Vielleicht nicht so bald.
(Weil es immer wieder eine bestimmte Person gibt, die mich fragt, ob ich doch von diesem oder jenem schon einen Schnitt hätte: einen Schnitt verkaufsreif zu kriegen, also mit gradierten Mehrgrößen, fotografierter und beschriebener Anleitung, alles noch zusammengefuddelt: 40 Stunden, in Worten VIERZIG! Also bei meinem momentanen Energiehaushalt muss ich da gut kalkulieren...Sorry!)

Ihr kennt mich ja jetzt.
Nur kein Stress.

Alles Gute zum Geburtstag.


PS: Wir haben noch kein Ergebnis.
Ich weiß nicht, wie ich reagieren werde, wenn die Dame sagt, es wäre "behandlungsbedürftig".
Um ehrlich zu sein, ich möchte mein Kind nicht dort hin schicken.
Ich weiß jetzt warum mir manche Leute rieten keinen Test zu machen.
Ich hoffe ich besinne mich auf meine neuen Werte und kann meine Tochter annehmen wie sie ist.
Auch der Schule gegenüber.
Und im Ernstfall die Schule wechseln. Was blöd wäre, denn in allen anderen Gegenständen ist sie einsA. Ich lege es mal in ihre Hände. Und versuche da zu sein, wenn sie mich braucht.
Und sie nicht zu dem zu machen, was ich brauche.


992 Posts...und?

Dienstag, 1. April 2014

Wow.
Seit ich diesen Blog äh richtig heißt es ja dieseS Blog betreibe, habe ich tatsächlich 992 Posts geschrieben, gebastelt...
Ich würde nicht sagen, dass alle davon qualitativ hochwertig waren.
Ein Teil ist hoffentlich in niemandens Annalen eingegangen ;-)).
Ein paar war gut. Auch posthum betrachtet ;-)).

Die letzteren hier zeugen ja eher von kritischer Stimme.

Und ich denke ich muss hier niemanden davon erzählen, dass man ja immer nur sieht, was man im Inneren gerade wahrnimmt. Sozusagen braucht es die richtige Brille für die richtigen Dinge.
Oder Filter. Egal wie man es nennt.

Ich habe da ein paar ganz fette, die ordentlich filtern. Irgendwann mal aber scheint irgendwo ein Streiflicht mich gestreift zu haben. Am Rande meines Horizonts habe ich was anderes wahrgenommen. Und das lässt mich nicht mehr los.
Das sorgt dafür, dass die Filter irgendwie nicht mehr passen.
Da gibt es noch mehr.

Ich gehe jetzt nicht mehr in das superschicke Büro.
Vielleicht mal später mehr darüber.
Das neue Büro, wo ich jetzt hingehe ist definitiv weniger schick. Dank des neuen Berlin-Hypes aber dann doch auch wieder. Hat es sozusagen durchgestanden.
Mal sehen, was ich dort lernen darf.

Die Entscheidung dafür hat definitiv was mit diesem Streiflicht zu tun.

Ein Streiflicht ist auch dieser Blog, den ich so en passant empfohlen bekommen habe. 
Und der mich gerade gar nicht los lässt.
Obwohl die Dame dahinter das predigt, was ich hier erst seit kurzem zur Diskussion stelle:
Ist weniger mehr?

Sie hat jedenfalls ein dermaßen cooles Video bei ihr gezeigt, das möchte ich Euch nicht vorenthalten...aber Achtung, wer schon mit einem halben Fuss durch diese Tür der hmmm Enthaltung gegangen ist, dem könnte es bisschen kalt den Rücken runter laufen:



Und jetzt zum Abschluss noch was, auch von der Glücksucherin geborgt, aber eben auch sooo gut, dass ich es ganz frech auch hier groß mache:

The best things in life are not things!


BURG 6.0 EIN PLATZ nicht mehr FREI!

Freitag, 28. März 2014

Hallihallo gibts noch jemanden der so mittelspontan auf die Burg mitwill?

Dass 2014 jetzt schon die dritte Dame dann doch verhindert ist, wundert mich gar nicht. Dies ist ja nicht das Jahr der Ereignislosigkeiten, daher nehme ich nur noch zur Kenntnis und freue mich bekanntgeben zu dürfen, dass jetzt NOCH EIN PLATZ frei ist!

Also: wer hat noch nicht?
Wer will noch mal?

16- 18. Mai Burg-Nähwochenende auf der Burg Feistritz!

Ich freue mich auf das Wochenende und freu mich auf Dich!

Wer keine Ahnung hat, was einem dort erwartet - hier gibts die Nachlese vom letzten Wochenende und unter "Burg" in der Suchfunktion finden sich sicher alle anderen Wochenenden mehr oder weniger ausführlich beschrieben!

Hier gehts zum Shop!

Also dann:
Bis bald!


VIELEN DANK, die RUNDE IST VOLL und wird es jetzt hoffentlich auch bleiben ;-))) ich freu mich auf Euch!!!

BURGNÄHWOCHENENDE: 2 Plätze NICHT MEHR frei

Mittwoch, 5. März 2014

Hallihallo die Damen (und Herren)

Wie das Leben so spielt, spielt es einem manchmal sehr schön und manchmal weniger schön mit.

Oder um noch eine Phrase zu überstrapazieren:

Des einen Leid, des anderen Glück...

weil nämlich...

tadahhh

ZWEI PLÄTZE BEIM BURGNÄHWOCHENENDE 16-18.Mai 

schon wieder ausverkauft!

Sorry und Hurra!

Ich freu mich - vielen Dank!


BOM 2014...Nein ist das neue Ja

Dienstag, 25. Februar 2014



Also hierzulande gibt es für das, was ich mir denke, wie ich mich fühle, einen schönen Ausdruck: "No serwas!"
Soll in etwa so was heißen wie..."Na, das ist aber eine ganz schön große/intensive  Ladung/Sache/Angelegenheit,...".
Impliziert Erstaunen über das Ausmaß und es ist nicht ganz klar, ob und wie man HerrIn der Angelegenheit werden wird.
So habe ich mich jedenfalls gefühlt, als ich jetzt endlich Eure Kommentare gelesen habe.

Vielen vielen Dank dafür!

Das Erstaunen kommt daher, dass ich mir eher gedacht habe: "Na Frau Wally, lass ma wieder mal die Hosen runter...?". Egal, auch wenn sich jetzt alle denken, die hat nicht mehr alle... so geht es mir grad und ich will hier nicht einen auf cool oder überprofessionell machen. Ich will hier - zumindest hier - authentisch sein.

Und dann gibt es doch so viele, die mir nicht den Rücken zu wenden, sondern ganz im Gegenteil meinen, ihnen ginge es genau so!

Also hier noch mal vielen vielen Dank für Eure Ehrlichkeit, Euren Mut, Eure Zeit.

Ja, in der Tat habe ich hier vorgehabt an Hand am Beispiel meiner selbst Euch zu zeigen, dass alles wohl nur eine Frage der Organisation sei. Ich war - ganz ehrlich - angepisst von mir selbst, von allem, was ich nicht auf die Reihe kriege und hat die Nase voll. 2014 soll jetzt endlich anders werden.
Ich war so hochmotiviert.
Um dann zu merken, dass es bei der ganzen super Organisation überhaupt nicht darum geht, mich selbst zu erkennen, meinen Bedürfnissen gerecht zu werden, sondern wieder nur einem Bild zu entsprechen. Einem Mosaik aus zigtausenden winzigen Steinchen (in über 40 Jahren sammelt sich ja schon einiges an ;-)). Und wieder bin ich gescheitert.
Und leise kommt der Verdacht in mir hoch, dass ich mir dafür dankbar sein sollte.
Weil der Schuh zwar schön ist, und ein tiefes Verlangen in mir will, dass ich ihn mir anziehe.
Aber so oft ich damit herumlaufe und herumprobiere und wasweißich tue. Er passt nicht.
Und anstatt jetzt auch noch den High-Heel-Kurs zu belegen, wäre es vielleicht an der Zeit zu erkennen, dass ...ähem wie lautet dieser hübsche Spruch, den ich manchmal, wenn ich dort vorbei fahre, an einer Schule lesen darf?

Don't try to be an apple if you are a banana, you'll always be a second rate apple.

Aber hier ist es wieder.
Dieses "Sei doch mal Du selbst."
Schon wieder dieser Auftrag.
Dieses Mitschwingen, so wie es ist, ist es nicht gut.
Nur dass es diesmal nicht die Kopie von wasauchimmer sein darf, nein, diesmal muss ich "Selbst" sein.

Das neue "Ja" ist wohl ein schlichtes "Nein".
Nein!
Das hier wird KEIN Organisationskurs.
Weil es ist wie beim Abnehmen.
Plus und Plus ergibt Plus.
Soll es weniger werden, muss es Minus geben. Minus Futter. Und mehr Verbrauch, sprich Bewegung.
Das weiß absolut JEDE Frau in der westlichen Hemnisphäre.
Ein Wahnsinn, dass wir dennoch (oder ich) jede depperte neue Diät zumindest lesen, oder wie bei mir, zumindest hinschauen. Ich erlaube mir glücklicherweise eh schon länger nimmer, das Magazin oder Buch zu kaufen. Aber der Erstimpuls ist da.

Und ich fürchte ich habe hier eine Erkenntnis bezüglich Organisation, deren Vermarktungsgrad ist so sexy wie der vom Abnehmen. Nämlich null.
Wer besser organisiert sein will...tadaaah: darf sich nicht so viel aufhalsen.
Wenn der Tag schon birst vor lauter Terminen, ist die wahrlich einzig Glück bringenden Maßnahme ein paar Dinge davon zu streichen.
Aber wer will den schon so was hören?
Ich wollte das ganz sicher nicht.
Aber nach nun fast zwei Monaten super Organisation komme ich genau dazu.

Weniger Zeit im Netz?
= entspannterer Abend!
Kein Fitnessstudio?
= entspannterer Abend!
Gemüse im Supermarkt gekauft?
= entspannterer Abend!
Jetzt wird es hart:
Nix genäht, nix entworfen, nix gestrickt?
= entspannterer Abend!

Auch wenn sich mir die Finger krümmen, wenn ich das schreibe...aber es geht hier ja um Authentizität...runter mit der "Ich bin so toll-Maske"...Seit die Nähmaschine weggepackt ist und ich anderorts die Brötchen verdiene, ist das Leben anders. Und ich will hier nicht werten, aber schlechter ist es nicht...Bestimmt kommt mal wieder die Zeit, wo ich viel nähe und auch Stricken finde ich ab und an schön. Aber ich bin offenbar nicht dazu geeignet Dinge nur 70% ig zu machen. Selbst 100% sind mir eigentlich zu wenig. 120, ja, da können wir anfangen zu reden... Meine Güte, WEM versuche ich eigentlich was zu beweisen? Und vor allem: WAS versuche ich zu beweisen???

Wo sind Eure Dinge, wo ein "Nein" sooo schwierig ists?
Wo merkt Ihr immer wieder, dass Ihr in diesselbe Falle tappt und das Ding irgendwie zum Selbstläufer wird?

Es kann leicht passieren, dass hier der Eindruck entsteht, ich finde die Blogwelt sei böse. Bitte das nicht zu glauben! Es gibt ja glücklicherweise in unserer Welt soooo viele Dinge - wie halt im Supermarkt. Nur manchmal ist man halt im Supermarkt auch überfordert und sehnt sich nach dem Greißler, wo es eben nur Butter gab. Keine Mager-, keine Salz-. keine irische, keine Joghurt-, keine wasauchimmerButter. Nur Butter.
Wer gern mal weniger hat, dem könnte ich beispielsweise diese Dame hier empfehlen. Also die schreibt mir gerade so oft direkt aus dem Herzen, dass ich mich hinlegen möchte. Und diesem Gefühl nachspüren. Es aufhalten. Und diese hier.
Nur damit keiner glaubt, die Blogs und ich wir wäre jetzt spinnefeind ;-)

BOM 2014...und was will die Frau?

Freitag, 21. Februar 2014



Letztes Mal habe ich davon gesprochen, dass ich den Hut vor den berufstätigen Bloggermums ziehe, die es neben Job, Familie auch noch schaffen, sehenswerte Posts zu verfassen.
Ich ziehe den Hut vor ihnen.

Aber ich fürchte mich auch.
Weil ich arbeite auch gerne, ich verbringe auch gerne Zeit mit meinen Kindern. Auch gerne Zeit mit meinem Mann. Und auch gerne mit meinen Freundinnen. Auch gerne mit meinen Hobbys. Und mit mir. Und ich koche gerne und wohne auch gern hübsch.
Aber mein Tag hat 24 h.
Als ich noch das kleinformat gemacht habe, habe ich mich hier oft dafür entschuldigt, dass dieses oder jenes nicht erledigt wurde. Oder warum ich eben noch nicht den 48-Stunden-Tag ge/erfunden habe.

Eine Freundin von mir liegt im Krankenhaus. Chemo. Bestrahlung. Das ganze Programm.
Vor nicht allzu langer Zeit habe ich meine Mutter begraben. Sie war nicht mehr jung. Sie hätte noch ein paar Jahre gehabt. Aber es ist auch ok., dass sie zu diesem Zeitpunkt gegangen ist. Letztlich muss ich zugeben: Wäre sie nicht gestorben, es wäre gut möglich, dass ich es nicht geschafft hätte das kleinformat aufzugeben.
Was ich heute als eine der weisesten Entscheidungen der letzten Jahre sehe.
Als ich einmal meine Freundin im Krankenhaus besucht habe, traf ich eine alte Schulkollegin. Im Rollstuhl, mit Bein in ausgestreckter Ruhelage. Völlig unbehelligt erwartete ich einen Skiunfall. Um dann irgendwas von Knochentransplantation aus der Hüfte in den Unterschenkel zu erfahren. Erst dann wurde mir klar, dass ich mich ja auf der Onkologie-Spezialabteilung befand. Ich will nicht sagen, dass ich seit her die drei Stockwerke zu unserer Wohnung rehlein gleich raufhüpfe, aber so schnell werde ich mich darüber nicht mehr beschweren.

Ich habe seit dem Tod meiner Mutter schon einen Heidenrespekt vor dem Gut Gesundheit.
Die jüngsten Erfahrungen haben mich noch nachdenklicher gestimmt:

Warum bin ich so verdammt anfällig für diese Barbie-Welten?
Diese wunderschönen Wohnungen dieser wunderschönen Frauen mit ihren wunderschönen Kindern. (vielleicht sind die Männer wenigstens verhältnismäßig schiach? Weil die sieht man eher selten.... aber das ist auch wurscht, man erinnere sich nur an die französischen Durchschnittschauspieler, die allesamt keine Delons sind, aber dennoch unglaublich viel Charisma haben...)

Schon immer haben mich diese Welten fasziniert, schon immer war ich ein Zeitschriftenjunkie. Als Brigitte mit dem "Ohne-Model-Ding" daher kam, war ich hellauf begeistert. Ganz bald fand ich es nur noch eklig. Bis dahin konnte ich mich bei ganz argen Neidanfällen, die ja gleich von Frustanfällen eingeholt werden, damit retten, dass das eben Models sind. Aber wenn die Durchschnittsfrau so aussieht? Maximal ein schiefes Zähnchen? Womit kann ich mich dann retten?
Da bleibt nicht viel außer eben mangelnder Willenskraft und schlechter Organisation.

Und ganz ehrlich: bei den tollen Interiorblogs ist es dasselbe:
Frau Wally, also jetzt wirklich. Das ist doch nicht so schwer. Da schreibt eine Bloggerin, deren Stil ich mochte und daher gern ihren Blog verfolgte, dass sie nicht viel aufräumt für die Bilder. Bei ihr sähe es immer so aus. Das Kind spiele eben fotogen.
Ich hab den Blog aus meiner Aboliste gelöscht. Das hätte ich vor nicht allzu langer Zeit nicht getan. Im Gegenteil, ich hätte ihn noch öfter besucht, möge der Funke des Blogs vielleicht auf mich überspringen?

Ich will mich gern mit Schönem umgeben. Aber meine Psyche ist zu schwach, mein Charakter zu instabil, als dass ich es schaffe, mir wunderschöne Wohnungen (oder Nähblogs, oder Modeblogs oder Essblogs....beliebig erweiterbar) anzusehen und mich dann umzudrehen und einzugestehen, dass der Grund warum es hier nicht so aussieht, wohl einzig und allein an mir liegt.

Als meine Freundin mit ihrer Diagnose konfrontiert wurde, bekam sie auch psychologische Unterstützung. Und natürlich kam dann auch die Frage, was hätte sie tun können um das zu vermeiden.
(Meine Freundin raucht nicht, trinkt nicht, lebt gesund, macht Sport....) Die Psychofrau antwortete mehr oder weniger: Nichts!
Und sie möge sich ganz schnell von dem Gedanken verabschieden, dass sie da soviel gedanklichen Einfluss hätte. Und dass sie eben wohl irgendwo nicht so erfolgreich positiv gedacht hätte, weil dann würde sie ja heute nicht da sitzen.

Wir legen uns die Latte dermaßen hoch, dass einem schwindlig wird, wenn man mal einen Schritt zurücktritt und das ganze bei Licht betrachtet. Und wenn man in so einem Krankenbett liegt, kann man wohl ziemlich lange nachdenken.
Wir müssen perfekt sein. Unsere Körper, Kinder, Männer, Wohnungen, Leben, Berufe...
Sogar unsere Denke darf nicht einfach vor sich hinwurschteln...
Alles ist durchoptimiert.
Kein Platz für Tiefkühlkost und Pizza, für abgeschlagene Ecken und Kinderklamotten, die farblich nicht aufeinander abgestimmt sind. Für Speckröllchen, Falten und graue Haare. Für Müdigkeit und keine Motivation.
Und weil das nicht genügt:
Weil wir wir sind, ist der ganze Sch.. natürlich nicht gekauft. Oh Nein, WIR MACHEN DAS GANZE AUCH NOCH SELBST!
Und knipsen es ab und photoshoppen dran rum und stellen es online und kriegen eine Fangemeinde und überhaupt....
Warum tun wir uns das an? Weil Leute dann aus USA uns "liken"?
Ist es jetzt da, dieses 15-Minuten-Berühmt-Ding von Andy Warhol?

Wie gesagt, ich liebe Magazine und natürlich liebe ich auch Blogs.
Aber neben all den "Muss", die ich das Gefühl haben, zu "müssen", sollte ICH mir wohl eines wirklich zulegen: eine entspanntere Haltung...vielleicht...

Seid Ihr entspannter? Könnt Ihr die Blogs im Internet lassen und dann Euer Leben leben oder seid Ihr auch so beeinflussbar?

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